Gesundheitstipps
   
       
  Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 12.9.2000

Ohrenschmalz ist kein Dreck

Von Tanja Volz

Allzu eifrige Ohrhygiene richtet oft mehr Schaden als Nutzen an. Wer mit Wattestäbchen versucht, Ohrenschmalz aus dem äußeren Ohr zu entfernen, verstopft oft den Gehörgang. „Ein Pfropf im Ohr kann unangenehm werden und muss meist vom Arzt wieder entfernt werden“, erklärt Gisela Jaeck HNO-Ärztin in Stuttgart. Mit dem Wattestäbchen werde immer nur ein Teil des Ohrenschmalzes entfernt, ein Teil jedoch nach innen zu einem Pfropf gedrückt - und dieser bleibe dort: Ein Pfropf löse sich nicht mehr von selbst auf. Das Hörvermögen werde gestört und häufig meinen Betroffene, einen Hörsturz erlitten zu haben. Gefährlich werde ein Pfropf im Ohr allerdings nur beim Tauchen: Hinter den Pfropf könne Wasser eindringen und sich ansammeln - ein perfekter Nährboden für Bakterien. Eine unangenehme Ohrenentzündung könne die Folge sein.
„Es reicht daher völlig, nur die äußere Hörmuschel mit einem feuchten Tuch oder einem Waschlappen zu reinigen“, empfiehlt die Stuttgarter Ohrenärztin. Praktisch sei auch der eigene kleine Finger, einfach über die Kuppe ein feines Papiertuch wickeln und mit sanften Drehbewegungen langsam nach innen bewegen. Auch beim Ohrenputzen von Kindern sei diese Methode ratsam. Empfehlenswert sei dies direkt nach dem Duschen oder Haarewaschen, wenn das Ohr noch feucht sei.
Verletzungen mit Wattestäbchen sind nicht ungewöhnlich. Das sieht die Ärztin immer wieder in ihrer Praxis: Manche Menschen schieben sich das Stäbchen bis zum Trommelfell vor und verletzen diese feine Membran: „Oft bleiben Wattefetzen daran hängen, nicht selten sind gar Negativabdrücke des Stäbchens auf dem Trommelfell zu erkennen“, so Gisela Jaeck.
Dazu könne es leicht kommen, denn wer sich mit Wattestäbchen oft das Ohr putze, trockne den Gehörgang aus. Das trockene Ohr beginne unangenehm zu jucken, der Betroffene greife erneut zum Wattestäbchen, um sich zu kratzen und dringe immer tiefer ein, bis er schließlich am Trommelfell ankomme.
Ohrenschmalz ist kein Abfallprodukt des Körpers oder gar Dreck. Ganz im Gegenteil: Die fettige Schicht, die in den Talgdrüsen im zweieinhalb Zentimeter langen, äußeren Gehörgang produziert wird, schützt die empfindliche Haut des äußeren Ohres. Das Ohrenschmalz wandert von innen Richtung Ohrmuschel nach außen und nimmt dabei Hautschuppen, Fremdkörper und Schmutzpartikelchen mit. Zudem kann es Krankheitserreger hemmen, die im Ohr Infektionen verursachen können. Und es schützt das Ohr vor dem Austrocknen.


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